Film-Screening: Konkret-Kongress 1993

Der Niedergang der Sowjetunion und die deutsche Wiedervereinigung 1989/90 stellte die bundesrepublikanische deutsche Linke vor einige tiefgreifende Widersprüche und Fragestellungen (die sich teilweise zwar bereits schon in den 80er Jahren angebahnt hatten, nun aber ungebremst ausbrauchen). Solle man für die Wiedervereinigung sein, weil die DDR und Sowjetunion ein Projekt waren, das mit emanzipatorischen Grundsätzen kaum in Einklang zu bringen war? Oder bedeutete die Wiedervereinigung Deutschlands nicht auch die Aufhebung des letzten Symbols (nämlich dass es Deutschland und Österreich waren, die für den zweiten Weltkrieg und das nationalsozialistische Vernichtungsprojekt verantwortlich waren), dass die Bundesrepublik davon abhielt wieder Weltmacht zu werden?

Neben diesen grundlegenden Fragen, kamen die Pogrome von Mölln, Rostock, usw. im Jahr 1991 hinzu, die allesamt in Ostdeutschland stattfanden. Drohte gar ein viertes Reich?

Vor diesem Hintergrund trafen sich 1993 Linke aus den unterschiedlichsten Spektren am Kongress der Zeitschrift Konkret, welche kaum mit einem derart riesigen Andrang gerechnet hatte. Die Debatten zur Frage, wie die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland verlaufen und zu deuten sind, waren nicht nur kontroversiell sondern von einer Intensität geprägt, wie sie heute kaum noch vorstellbar ist. Es schien, als würde auf diesem Kongress die Frage “Sozialismus oder Barbarei” entschieden werden. Es war vielleicht das letzte Mal, dass so unterschiedliche Positionen auf einem Podium zusammen kamen.

Aus zweierlei Gründen ist der Konkret-Kongress interessant und auch für heutige Diskussionen noch relevant. Einerseits wird deutlich, dass es den Leuten um etwas geht – ganz im Gegensatz zu heutigen Debatten, die, auch wenn es um bluternste Angelegenheiten (wie etwa Abschiebungen) geht, durch einen akademischen Jargon, die Sache um die es eigentlich gehen müsste, ignorieren oder verharmlosen. Andererseits, wurden hier grundlegende Diskussionen ausgelöst, die teilweise auch die heutigen linken Debatten noch bestimmen, ohne dass heute deren Ausgangspunkt immer noch allgemein bekannt wäre.

Wir wollen uns deshalb gemeinsam das Video des Kongresses (ca. 2h) anschauen und diskutieren. Ein Zeitzeuge wird den Kontext der verschiedenen Podien erläutern.