Film-Screening: Die Gesellschaft des Spektakels

Guy Debord, der mit seinem Buch “La société du spectacle” (Die Gesellschaft des Spektakels, 1967) und als Teil der S.I. (Internationale Situationniste) bekannt geworden ist, hat 1952 mit seinem ersten bilderlosen Film “Hurlements en faveur de Sade” begonnen, eine Kritik an der Kunst zu formulieren. Als Kritiker des Spektakels hat er den Film als “die zentrale Kunstform in unserer Gesellschaft” erkannt und sich selbst als Filmemacher bezeichnet: “Je veux un ciné qua non!” Seine Intention bestand darin, den medialen Status der anscheinend unmittelbaren Welt zu enthüllen.

Neben den Möglichkeiten des experimentellen Films wurde die visuelle und akustische Zweckentfremdung (détournement) zu seinem zentralen filmischen Verfahren. Störung und Unterbrechung sind Mittel, den Film aus entliehenen Bildwelten zu montieren, um auf diese Weise mit der Herauslösung von Bildern aus ihrem Zusammenhang einen vielleicht einen Wendepunkt der Kultur herbeizuführen. Zweckentfremdung dient auch der Umgestaltung und Neuinterpretation von Geschichte, welche in der situationistischen Kritik als Problem der Darstellung betrachtet worden ist.

Debord verfilmt allerdings nicht alle 221 Thesen seines Buches, sondern bloss eine Auswahl davon und präsentiert sie auch in einer anderen Reihenfolge. Ausserdem enthält der Film zusätzliche Texte sowie collagierte Szenen aus Hollywoodfilmen, dem Sowjet-Kino, aus Softpornos und aus dokumentarischem Filmmaterial der Mai-Unruhen von 1968 in Frankreich. Was durch dieses dichte Gewebe aus Bildern, die auch für die Filmgeschichte zentral waren, an anderen Zusammenhängen sichtbar wird und die Wirkungen von Bildern befragt, kann gleichzeitig auch als eine Relektüre seiner eigenen theoretischen Arbeit betrachtet werden.

Frankreich 1973, Regie: Guy Debord, Dauer: 80 Minuten, OV