Wissenschaftskritik und die Dialektik der Aufklärung

Nicht selten kommt es vor, dass Diskussionen mit dem Todschlagargument,dass etwas “nicht wissenschaftlich” (und deshalb, so die implizite Annahme, auch nicht diskussionswürdig) sei, abgwürgt wird. Doch was bedeutet “wissenschaftlich” überhaupt und warum soll es etwas Gutes und über jeden Zweifel Erhabenes sein?

Der Siegeszug des Rationalismus machte auch vor den Universitäten nicht halt und prägt bis heute dessen innersten Strukturen und wissenschaftlichen Argumentationsmuster. Und wenn auch niemand so genau sagen kann, was “Wissenschaft” eigentlich bedeutet, so ist doch ganz klar, was aus dem wissenschaftlichen Diskussionsrahmen herausfällt: Religion und Esoterik beispielsweise. Gerade weil die wissenschaftlich-rationale Denkform heute die vorherrschende Denkform in öffentlichen Debatten ist, besteht auch die Religionskritik in der Regel aus dem armseligen Argumentationsmuster, dass es sich bei religiösen Leuten offensichtlich um arme irregeleitete Abergläubige handeln müsse,die einfach etwas glauben, für dass sie gar keine Beweise hätten.

Eine derartige Argumentation übersieht nicht nur den geschichtlich objektiv notwendigen Charakter von Religion, sondern versucht erst gar nicht dessen Gehalt zu verstehen, sondern wischt alles mit den immergleichen stereotypen Argumenten vom Tisch, die auf folgenden Satz hinauslaufen: “Was ich nicht sehen kann, gibt es nicht”. Nicht zufällig das Paradigma des Positivismus.