Klasse und Kampf

Vor einigen Jahren schien es, als feiere der Klassenkampfgedanke ein Revival im radikaleren Teil der deutschsprachigen Linken. Die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft verfassten ihre 28 Thesen zur Klassengesellschaft die breit diskutiert und auch rezipiert wurden. Aus diesem Revival wurde jedoch nichts, der Großteil der Linken zeigte sich unbeeindruckt von den Thesen und zog es vor, sich weiterhin ohne viel Theoriearbeit die vorprogrammierte Niederlage bei ihren Demonstrationen abzuholen.

Heute ist es ruhig um die neuen KlassentheoretikerInnen geworden, trotzdem lohnt eine Beschäftigung mit der Klasse und deren Kampf. Nicht ohne Grund erschien einer Vielzahl kommunistischer DenkerInnen des 19. Jahrhunderts die Arbeiterklasse als jenes revolutionäre Subjekt das Schluss machen würde mit der kapitalistischen Gesellschaft. Diese Sicht auf die Arbeiterklasse wirkt im 21. Jahrhundert befremdlich. Die Gesellschaft blieb zwar eine Klassengesellschaft, doch mit der Arbeiterklasse war etwas geschehen. Weder die Integration des Proletariats in den Staat und die Nation, noch Faschismus und Nationalsozialismus waren an der Klasse der Befreiung spurlos vorüber gegangen. Wie es dazu kam und was das für die heutige Situation bedeutet soll im Rahmen des Vortrags genauer entfaltet werden.